Feature von Helgard Haug und Thilo Guschas (Rimini Protokoll)

53 Minuten, NDR / SWR 2017

Preis der Deutschen Schallplattenkritik Bestenliste 01/2018 (Longlist)

7 / 12 Euro (Download / CD, inkl. Versand)

Wir sind, was sie nicht sind. Wechselseitig betonen Israel und Palästina ihre Unterschiede und Gegensätze. Der Himmel scheint messerscharf geteilt, der Teufelskreis der Unversöhnlichkeit unüberwindbar. Zugleich sind sie enge Nachbarn. Ihre Länder, über die sich derselbe Himmel spannt, bilden gemeinsam eine sogenannte „politische Groß-Wetterlage“.

Das Spannungsfeld des Stückes bilden Personen, deren professioneller Blick gen Himmel führt und die versuchen die engen irdischen Grenzen etwas aufzubrechen. Wo berühren sich ihre gesellschaftlichen, kulturellen, religiösen Existenzen – die Lebensgeschichten dieser Menschen – und wer schafft es die Grenzen zu überwinden? Jenseits der Frontlinien, abseits vom Einssein in Hass und Angst, wirft das Stück Blicke in das Alltagsleben beider Länder, stellt sie gegenüber, indem es in beiden Ländern Menschen befragt, welche Beziehung sie mit dem Himmel verbindet. Was sagt dies über ihr irdisches Leben aus?

"Der Himmel über Nah-Ost - er ist Korridor für Zugvögel, Sehnsuchtsort fanatisierter (junger) Menschen oder selbst erklärtes Niemandsland und - ebenso Schreckensort, wenn Jagdbomber ihn durchkreuzen wie utopischer Bezugspunkt, wenn Grenzen gezielt
überwunden werden sollen. Helgard Haug und Thilo Guschas (Rimini Protokoll) lassen in ihrem "akustischen Himmelfahrtskommando" gut ein Dutzend Menschen unterschiedlichster Professionen (ein palästinensischer Meteorologe, eine israelische Kriminologin, ein
Psychologe, Künstler) aus Israel und Palästina zu Wort kommen und deren jeweilige Perspektive, ihren Blick auf den Himmel in dieser seit Jahrzehnten von Krieg, Hass und Terror geprägten und kompromittierten Region, aufzeigen.

Das Feature gibt Einblick in deren irdisches Leben jenseits der Frontlinien, klärt auf ohne zu beschönigen, ist atmosphärisch ungemein dicht (Musik: Frank Böhle) inszeniert, originell und höchst brisant und dabei gleichzeitig berührend, packend und durch den schnellen Wechsel unterschiedlichster Perspektiven und Sichtweisen auch herausfordernd."
(Ulrike Bischof, Bibliothekarische Dienste)